Meer verstehen mit Katja
Seekühe
Die Seekühe werden auch Sirenen (lat. Sirenidae) genannt und geben seit jeher Anlaß
zur Spekulation und Raum für Mythen. Schon Odysseus hat sich von ihnen verführen lassen
und auch für die Meerjungfrau mit ihrem Fischunterleib stand sie Pate.
Der Einfachheit halber werden sie heute als Kühe bezeichnet, denn wie ihre landlebenden
Namensvetter ernähren sie sich rein pflanzlich. Ansonsten verbindet sie nicht viel, denn
die nächsten Verwandten der Seekühe sind andere Dickhäuter - die Elefanten. Im Gegensatz
zu anderen wasserlebenden Säugern wie z.B. den Robben können Seekühe sich nicht an Land
bewegen. Außerdem können sie nicht wie Wale und Delfine weit ins offene Meer schwimmen,
sondern bleiben in Küstennähe in Tiefen bis 10 Meter. Im Abstand weniger Minuten kommen
sie zum Atmen an die Wasseroberfläche und halten maximal 8 - 12 Minuten die Luft an. Heute
gibt es nur noch zwei Familien von Seekühen - die Ruderschwanzseekühe auch Manatees genannt
leben mit drei verschiedenen Arten im Atlantik. Im indopazifischen Raum und damit auch im
Roten Meer ist die Gabelschwanzseekuh mit einer Familie - den Dugongs - vertreten. Sie
leben ausschließlich an den seichten tropischen Ufern des Meeres. Begleitet werden sie
häufig von Schiffshaltern, die sich mit einer Art Saugnapf an der Seekuh anheften und
darauf warten, daß ab und zu mal etwas Freßbares abfällt.
Über das Sozialverhalten der Dugongs ist leider sehr wenig bekannt. Im Normalfall leben
sie einzeln oder in kleinen Familienverbänden und schwimmen dann nebeneinander. Eine
zeitlich begrenzte Paarungszeit gibt es nicht. Die einzig bekannte soziale Bindung besteht
zwischen Mutter und Jungtier, das bis zu zwei Jahre bei der Mutter bleibt. Nach 11 - 13
Monaten Tragezeit wird nur ein Junges geboren, das ca. 1m groß und 25kg schwer ist und
selbstständig schwimmen kann.
Das erwachsene Tier kann 2 - 4 Meter lang werden und wiegt bis zu 900kg. Seekühe ernähren
sich ausschließlich vegetarisch. Um die wenige in Pflanzen vorhandene Energie nutzen zu
können, haben sie einen erstaunlich langen Darm und fressen den ganzen Tag lang mehr als
40kg Seegras. Ihr Körper ist unbehaart bis auf ein paar Borsten an der Schnauze. Das Gehör
ist sehr gut ausgebildet und so können sie sich untereinander mit Quietsch- und Pfeiflauten
verständigen. Die kleinen Augen jedoch sind wenig leistungsfähig und ohne Wimpern und Lider.
Wie auch andere wasserlebende Säugetiere haben sie eine ausgeprägte Fettschicht, die ihnen
als Energiespeicher und Wärmepuffer dient. Zwischen Männchen und Weibchen zu unterscheiden
ist für den Laien äußerst schwierig, da die Geschlechtsorgane in einer Bauchfalte versteckt
gehalten werden. Ihre Lebenserwartung ist mit mindestens 50 Jahren erstaunlich hoch,
allerdings ist es nicht allen vergönnt ins Greisenalter vorzustoßen.
Gefährlich werden können ihnen neben den Menschen nur größere Haie und Schwertwale. Heute
sind von den ehemals riesigen Beständen nur noch wenige Exemplare übrig. Sie wurden lange
wegen ihres Fleisches gejagt und verenden auch heute noch als Beifang in
Schildkröten- fangnetzen oder an Verletzungen durch Schiffe. In Abu Dabab besteht seit
geraumer Zeit ein Einfahrverbot für Boote, um die Seekuh dort zu schützen. Alle Guides
(sowohl Schnorcheln als auch Tauchen) sind dazu angehalten ihre Gäste ausschließlich zum
Anschauen des Tieres zu animieren und jeglichen Körperkontakt zu vermeiden, um die Seekuh
nicht mehr als nötig zu stören.